Archive for February, 2019

Was ist eigentlich das Unwort des Jahres 2018?

Friday, February 22nd, 2019

Im Gegensatz zum Wort des Jahres, welches von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählt wird, trifft sich eine Jury bestehend aus Sprachwissenschaftlern einmal im Jahr, um das Unwort des Jahres zu küren. Das Gute ist, jeder kann mitmachen – denn bis Ende Dezember haben alle Bürger die Möglichkeit, Unwort-Vorschläge einzureichen. Allerdings erfüllt nicht jedes beliebige Wort die Kriterien, um als Unwort bezeichnet werden zu können. Denn Unwörter sind sprachliche Ausdrücke, die „von Sprechern entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden, und dies im öffentlichen Kontext[1]“. Bei der Auswahl zum Unwort des Jahres liegt der Fokus also auf Wörtern, die „gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen[2]“.

Mit dem Projekt soll auf kritische Äußerungen in der Gesellschaft aufmerksam gemacht werden, vor allem, wenn diese im öffentlichen Raum geschehen. Ebenso kann auch das sprachliche Handeln im Allgemeinen hinterfragt werden – denn viel zu oft werden in unserer immer globaler und digitaler werdenden Welt Sachen gesagt (oder geschrieben), über die vorher zu wenig nachgedacht wurde. Das Projekt soll also zu mehr Spachbewusstheit anregen und einen sensibleren Umgang mit Sprache bewirken.

So viel zum Hintergrund – aber was ist denn nun das Unwort des Jahres 2018?

Beim letzten Auswahlprozess für das Unwort des Jahrs 2018 landete „Anti-Abschiebe-Industrie“ auf Platz 1. Eine Wortzusammensetzung, die der CSU-Politiker Alexander Dobrindt verwendete und damit heiße Debatten auslöste. Er kritisierte damit unter anderem Flüchtlingshelfer, die Abschiebungen von Geflüchteten zu verhindern versuchten. Mit diesem Unwort, so Jurorin Nina Janich, Professorin an der TH Darmstadt, werde „denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen und Abschiebungen auf dem Rechtsweg prüfen, die Absicht [unterstellt], auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit in großem Maßstab Geld verdienen zu wollen“. Ebenso kritisch wird die Verwendung des Nomens „Industrie“ angeführt – denn dies beinhalte schlichtweg schon den Aspekt der Produktion und Massenabfertigung, mit welchem Geflüchtete häufig behandelt werden.

Frühere Unwörter:

2017: Alternative Fakten

2016: Volksverräter

2015: Gutmensch

2014: Lügenpresse

2013: Sozialtourismus

2012: Opfer-Abo

2011: Döner-Morde

2010: Alternativlos

[1] http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=1

[2] http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=102

,,War Georg Bendemanns Vater dement?“ oder ,,Wie es ist, eine Bachelorarbeit zu schreiben“

Friday, February 15th, 2019

Im C-Kurs werdet ihr einen Aufsatz schreiben, der ungefähr 25 Seiten lang sein soll. Das Gute daran ist, dass ihr das schon lange vorher wisst und ihr deshalb viel Zeit habt, euch ein Thema zu überlegen. Die Idee zu meinem Aufsatz bekam ich, als wir im B-Kurs Franz Kafkas Das Urteil lasen. Schon beim ersten Lesen dieser Erzählung fiel mir auf, dass das Verhalten der Vaterfigur stark an einen Demenzkranken erinnerte, und ich hatte Lust, das genauer zu untersuchen. Ich recherchierte zunächst, welche Literatur es zu diesem Thema gab, ob meine Fragestellung neu war und welche Symptome ein Demenzkranker überhaupt aufweist. Dann bestellte ich einige Bücher, die mir als zitierfähige Quellen geeignet erschienen. Ja, und dann lagen viele Wochen vor mir, in denen ich mich ganz dem Schreiben widmen konnte. Ich muss gestehen, dass ich mich auf diesen Teil des Semesters besonders gefreut hatte, da ich für mein Leben gern lese und die Ruhe des Schreibens genieße.

In meiner Untersuchung zeigte sich, dass es tatsächlich viele Übereinstimmungen gab, wenn man das Verhalten der Vaterfigur mit den in medizinischen Fachkreisen anerkannten Symptomen für eine Demenz verglich. Ich stellte aber auch fest, dass sich sein Benehmen ganz anders interpretieren lässt. Das ist bei Literatur natürlich immer so. Aber jeder, der Das Urteil einmal gelesen hat, wird sicher zustimmen, dass die Erzählung schwierig zu verstehen ist und dass die Reaktionen der Protagonisten teilweise kaum nachvollziehbar sind. Da bleibt besonders viel Raum für Deutungen. Mit meiner Analyse konnte ich jedoch demonstrieren, dass der Konflikt zwischen Vater und Sohn stärker akzentuiert wird, wenn man den Vater als unheilbar krank ansieht. Denn obwohl er nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein scheint, nimmt der Sohn das Todesurteil des Vaters trotzdem an und zeigt so, dass dieser trotz Krankheit und Schwäche in der Position des Stärkeren bleibt.

Die Bachelorarbeit geschrieben zu haben, ist ein gutes Gefühl. Ich kenne mich jetzt ganz gut aus mit Zitierweisen, Fußnoten, Word-Formatierungen, bin effizienter geworden, wenn es darum geht, an Informationen heranzukommen. Ein bisschen vermisse ich sogar den festen Tagesrhythmus: das allmorgendliche Sitzen am Schreibtisch, den Duft des dampfenden Kaffees in der Nase, das Klappern der Computertastatur im Ohr, und ab zu eine Erinnerung durch den Hund, dass es noch eine Welt da draußen gibt. Für einige Wochen meines Lebens bin ich in das Universum des Schriftstellers Franz Kafka eingetaucht, habe seine einzigartige Sprache auf mich wirken lassen und erfahren, welche Reaktionen sein Werk in der literarischen Fachwelt ausgelöst hat. Es hat mich erstaunt, mit welchem Facettenreichtum die Arbeiten dieses viel zu früh verstorbenen Künstlers aufwarten, und wie er bis heute zu uns spricht.

Hier noch der Link zu Kirstis Aufsatz

 

 

 

Mein Start ins Praktikantenleben: Hej Linnéuniversitetet!

Thursday, February 7th, 2019

Unsere neue Praktikantin Annabell Weber hat das Wort:

Svenska. Ein Wort, und doch so vieles, was für mich dahintersteckt: Denn alles begann mit einem Sprachkurs an meiner Universität in Deutschland. „Schwedisch lernen, warum eigentlich nicht?“ So oder so ähnlich waren wohl meine Gedanken. Recht ahnungslos ging ich schließlich zu meiner ersten lektion und merkte schnell, wie viel Spaß mir das Erlernen der schwedischen Sprache macht. Immerhin ist Schwedisch als nordgermanische Sprache dem Deutschen nicht ganz so fern, man stolpert also recht häufig über Wörter, die sehr ähnlich sind. Lediglich an die Besonderheiten der Aussprache müssen sich die deutschen Ohren zunächst gewöhnen. Im Kurs wurden viele wichtige Aspekte thematisiert und mein Interesse an Schweden und der schwedischen Sprache wuchs stetig. Regelmäßige fika-Veranstaltungen waren sicherlich nicht ganz unschuldig daran…

Bald schon plante ich meinen ersten, kleinen Schwedenurlaub. Ein paar Tage in Stockholm sind es schließlich geworden. Der Kontakt zu „richtig echten“ Schweden hat sehr viel Spaß gemacht und schnell habe ich gemerkt, wie viel Freude mir das Anwenden und Üben meiner neuen Lieblingssprache bereitet. Darum stand irgendwann fest: Ich muss wieder nach Schweden. Da auch das Ende meines Studiums in Deutschland in Sicht war, kam die Idee eines Praktikums in Schweden wie gerufen. Gesagt, getan – bald schon wurden erste Planungen angestellt.Denn die Kombination aus einem Auslandsaufenthalt und einer praktischen Tätigkeit, die an mein Studium anschließt, klingt doch eigentlich ziemlich perfekt, oder nicht?!

Nach langen Monaten des Wartens war es dann Ende Januar endlich soweit: Die meisten Vorbereitungen waren abgeschlossen und der Tag meiner Abreise rückte immer näher. Fast schon unwirklich das Gefühl, als ich dann tatsächlich wieder schwedischen Boden unter den Füßen hatte. Mit meiner Ankunft in Schweden kam ich nun endlich zwei langersehnten Träumen ein Stück näher: Mein Schwedisch im Zielland zu verbessern und ein interessantes Praktikum an der Linné-Universität zu absolvieren.

Meine ersten Praktikumstage gestalteten sich als sehr spannend: Herzlich wurde ich von allen neuen Kollegen empfangen und ins Team aufgenommen – ein schönes Gefühl. Ausgestattet mit Schlüssel, passerkort, Laptop und einem eigenen Arbeitsplatz wurde ich dann auf die Studenten „losgelassen“. Das Institut wirkt familiär und auch die Kurse sind überschaubar – gute Rahmenbedingungen also, um in einem produktiven Klima zu lehren und zu lernen. Denn gerade das ist es, was mir – und so geht es sicher sehr vielen Studienabsolventen – nach einem theoretischen Studium fehlt: die Praxis. Und die soll ich hier bekommen!

Auf meinem Arbeitsplan finden sich also eigene Unterrichtsstunden, Hospitationen bei anderen Lehrern sowie Projekte, die unter anderem die Planung zukünftiger Kurse beinhalten. Langweilig wird mir hier bestimmt nicht, so viel steht schon mal fest! Alles Weitere wird sich zeigen – ich freue mich darauf!

Foto: Photo by Jonathan Brinkhorst on Unsplash