,,War Georg Bendemanns Vater dement?“ oder ,,Wie es ist, eine Bachelorarbeit zu schreiben“

February 15th, 2019 by besserwisser

Im C-Kurs werdet ihr einen Aufsatz schreiben, der ungefähr 25 Seiten lang sein soll. Das Gute daran ist, dass ihr das schon lange vorher wisst und ihr deshalb viel Zeit habt, euch ein Thema zu überlegen. Die Idee zu meinem Aufsatz bekam ich, als wir im B-Kurs Franz Kafkas Das Urteil lasen. Schon beim ersten Lesen dieser Erzählung fiel mir auf, dass das Verhalten der Vaterfigur stark an einen Demenzkranken erinnerte, und ich hatte Lust, das genauer zu untersuchen. Ich recherchierte zunächst, welche Literatur es zu diesem Thema gab, ob meine Fragestellung neu war und welche Symptome ein Demenzkranker überhaupt aufweist. Dann bestellte ich einige Bücher, die mir als zitierfähige Quellen geeignet erschienen. Ja, und dann lagen viele Wochen vor mir, in denen ich mich ganz dem Schreiben widmen konnte. Ich muss gestehen, dass ich mich auf diesen Teil des Semesters besonders gefreut hatte, da ich für mein Leben gern lese und die Ruhe des Schreibens genieße.

In meiner Untersuchung zeigte sich, dass es tatsächlich viele Übereinstimmungen gab, wenn man das Verhalten der Vaterfigur mit den in medizinischen Fachkreisen anerkannten Symptomen für eine Demenz verglich. Ich stellte aber auch fest, dass sich sein Benehmen ganz anders interpretieren lässt. Das ist bei Literatur natürlich immer so. Aber jeder, der Das Urteil einmal gelesen hat, wird sicher zustimmen, dass die Erzählung schwierig zu verstehen ist und dass die Reaktionen der Protagonisten teilweise kaum nachvollziehbar sind. Da bleibt besonders viel Raum für Deutungen. Mit meiner Analyse konnte ich jedoch demonstrieren, dass der Konflikt zwischen Vater und Sohn stärker akzentuiert wird, wenn man den Vater als unheilbar krank ansieht. Denn obwohl er nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein scheint, nimmt der Sohn das Todesurteil des Vaters trotzdem an und zeigt so, dass dieser trotz Krankheit und Schwäche in der Position des Stärkeren bleibt.

Die Bachelorarbeit geschrieben zu haben, ist ein gutes Gefühl. Ich kenne mich jetzt ganz gut aus mit Zitierweisen, Fußnoten, Word-Formatierungen, bin effizienter geworden, wenn es darum geht, an Informationen heranzukommen. Ein bisschen vermisse ich sogar den festen Tagesrhythmus: das allmorgendliche Sitzen am Schreibtisch, den Duft des dampfenden Kaffees in der Nase, das Klappern der Computertastatur im Ohr, und ab zu eine Erinnerung durch den Hund, dass es noch eine Welt da draußen gibt. Für einige Wochen meines Lebens bin ich in das Universum des Schriftstellers Franz Kafka eingetaucht, habe seine einzigartige Sprache auf mich wirken lassen und erfahren, welche Reaktionen sein Werk in der literarischen Fachwelt ausgelöst hat. Es hat mich erstaunt, mit welchem Facettenreichtum die Arbeiten dieses viel zu früh verstorbenen Künstlers aufwarten, und wie er bis heute zu uns spricht.

Hier noch der Link zu Kirstis Aufsatz

 

 

 

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