Was ist eigentlich das Unwort des Jahres 2018?

07:46 by besserwisser

Im Gegensatz zum Wort des Jahres, welches von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählt wird, trifft sich eine Jury bestehend aus Sprachwissenschaftlern einmal im Jahr, um das Unwort des Jahres zu küren. Das Gute ist, jeder kann mitmachen – denn bis Ende Dezember haben alle Bürger die Möglichkeit, Unwort-Vorschläge einzureichen. Allerdings erfüllt nicht jedes beliebige Wort die Kriterien, um als Unwort bezeichnet werden zu können. Denn Unwörter sind sprachliche Ausdrücke, die „von Sprechern entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden, und dies im öffentlichen Kontext[1]“. Bei der Auswahl zum Unwort des Jahres liegt der Fokus also auf Wörtern, die „gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen[2]“.

Mit dem Projekt soll auf kritische Äußerungen in der Gesellschaft aufmerksam gemacht werden, vor allem, wenn diese im öffentlichen Raum geschehen. Ebenso kann auch das sprachliche Handeln im Allgemeinen hinterfragt werden – denn viel zu oft werden in unserer immer globaler und digitaler werdenden Welt Sachen gesagt (oder geschrieben), über die vorher zu wenig nachgedacht wurde. Das Projekt soll also zu mehr Spachbewusstheit anregen und einen sensibleren Umgang mit Sprache bewirken.

So viel zum Hintergrund – aber was ist denn nun das Unwort des Jahres 2018?

Beim letzten Auswahlprozess für das Unwort des Jahrs 2018 landete „Anti-Abschiebe-Industrie“ auf Platz 1. Eine Wortzusammensetzung, die der CSU-Politiker Alexander Dobrindt verwendete und damit heiße Debatten auslöste. Er kritisierte damit unter anderem Flüchtlingshelfer, die Abschiebungen von Geflüchteten zu verhindern versuchten. Mit diesem Unwort, so Jurorin Nina Janich, Professorin an der TH Darmstadt, werde „denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen und Abschiebungen auf dem Rechtsweg prüfen, die Absicht [unterstellt], auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit in großem Maßstab Geld verdienen zu wollen“. Ebenso kritisch wird die Verwendung des Nomens „Industrie“ angeführt – denn dies beinhalte schlichtweg schon den Aspekt der Produktion und Massenabfertigung, mit welchem Geflüchtete häufig behandelt werden.

Frühere Unwörter:

2017: Alternative Fakten

2016: Volksverräter

2015: Gutmensch

2014: Lügenpresse

2013: Sozialtourismus

2012: Opfer-Abo

2011: Döner-Morde

2010: Alternativlos

[1] http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=1

[2] http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=102

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