Wer ist eigentlich dieser Tisus?

09:40 by besserwisser

Vor ein paar Tagen bin ich, Annabell, nach Lund gefahren. Gründe für einen kleinen Ausflug in die ca. 160 km entfernte Stadt im Südwesten Skånes gibt es sicher viele. Für mich aber stand in erster Linie eines auf der Tagesordnung: Tisus. Einige mögen sich nun fragen: Oh, ein Date vielleicht? Wer ist denn dieser ominöse Tisus? Was beinahe wie ein männlicher Vorname klingt ist, und jetzt kommt für den ein oder anderen vielleicht der enttäuschende Part, ein Schwedischtest. Ein Date mit der schwedischen Sprache also, wenn man so will… 😉 TISUS steht nämlich für „Test i svenska för universitets- och hogskolestudier”. Als Fertigkeitstest wird, im Gegensatz zur expliziten Kenntnisprüfung, die Performanz in den Bereichen Lesen, Schreiben und Sprechen überprüft. Der Fokus liegt also vielmehr auf dem Anwenden der Sprache, als dass beispielsweise Grammatik abgefragt wird. TISUS richtet sich an alle, die eine ausländische Gymnasialausbildung abgeschlossen haben und in Schweden studieren möchten. Ob ich wirklich einmal in Schweden studieren werde, steht noch in den Sternen. Ein Zertifikat, das mir meine Schwedischkenntnisse bescheinigt, macht sich aber sicher auch ganz gut im Lebenslauf. Darum wollte ich die Chance nicht ungenutzt lassen und habe mich der TISUS-Herausforderung gestellt. Und das sah wie folgt aus:

Los ging es mit dem Leseverstehen, welches aus 2 Teilen bestand: Zunächst mussten innerhalb von 50 Minuten fünf verschiedene Texte gelesen werden, zu denen es dann unterschiedlich schwierige Multiple Choice-Fragen zu beantworten galt. Im Anschluss daran wurde das Schnelllesen getestet. Dafür bekamen wir einen – ja, doch recht langen – Text, den wir innerhalb von 25 Minuten querlesen sollten. Hier war das Ziel, inhaltliche Fragen kurz und knapp zu beantworten. Die Antworten mussten also innerhalb kürzester Zeit im Text gefunden werden. Wer hier flinke Augen hat, kann sich glücklich schätzen, denn 25 Minuten können ganz schön schnell vorbei sein.

Nach dem Leseverstehen wurde uns eine kleine Pause gegönnt – 30 Minuten, um noch mal kurz Luft zu schnappen und neue Kräfte zu sammeln. Denn als nächstes ging es darum, einen argumentierenden Text zu schreiben. Unter Verwendung eines einsprachigen Wörterbuches und zu einem vorgegebenen Thema galt es nun, die eigenen Gedanken strukturiert und in „schlauem“ Schwedisch aufs Papier zu bringen. Aber auch das war schließlich nach intensiven 150 Minuten geschafft. Puh, Zeit für eine wohlverdiente Mittagspause und einen kleinen Spaziergang durch das idyllische Lund. Doch viel Zeit für einen Stadtrundgang blieb mir nicht, denn schon am Nachmittag ging es weiter mit dem letzten Teil des Testes, nämlich mit der mündlichen Prüfung.

Bereits eine Woche vor dem Test erreichten mich per Post zwei potentielle Diskussionsthemen, die in der Prüfung drankommen könnten. Welches Thema letztendlich aber an die Reihe kam, wurde uns erst in der Prüfung selbst gesagt. Mit zwei weiteren Prüflingen sollte ich schließlich 20 Minuten über das ausgewählte Thema diskutieren. Von Bedeutung war es, in neutralem Ton Vor- und Nachteile darzulegen. Im zweiten Schritt sollten wir dann einzeln einen kleinen Vortrag vorbereiten und diesen innerhalb von 2 Minuten präsentieren. Auch hier war es wieder einmal wichtig, unter Zeitdruck die eigenen Gedanken so gut es geht zu ordnen und schließlich strukturiert darzulegen – natürlich alles in der Fremdsprache Schwedisch. Nach so viel geistiger Anstrengung und einem Tag voller neuer Eindrücke war ich schließlich ganz schön müde, als ich mich am Abend wieder auf den Heimweg nach Växjö machte. Was für ein Tag!

Aber für die nächsten 5 Wochen, so lange dauert es nämlich ungefähr, bis das Ergebnis kommt, heißt es nun erstmal: Abwarten und Tee trinken. Oder, wie es hier in Schweden wohl gewöhnlicher ist: Abwarten und Kaffee trinken. – Und zu einer kleinen fika sage ich bestimmt nicht nein!

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