Kreatives Schreiben- ,,Gilgi, eine von uns”: Wie geht es weiter?

09:00 by besserwisser

Im Rahmen des Textstudiums sind unsere Campusstudenten in die Rolle eines Autors geschlüpft und haben Irmgard Keuns Roman ,,Gilgi, eine von uns” weitergeschrieben. Die entstandenen Texte wollen wir Euch nicht vorenthalten- hier kommt also das erste tolle Exemplar, viel Spaß 🙂

Eine Hand auf der Schulter und ein starkbeharrtes männliches Gesicht vor ihren Augen als sie aufwacht. In Berlin angekommen und ohne Ahnung wie lange sie geschlafen hat, blickt sie aus dem Fenster. Die Sonne steigt langsam über die Stadt. Der Zug ist schon leer, nur Gilgi ist noch nicht ausgestiegen. – Sie muss sofort aussteigen, sonst werfe ich Ihnen aus, sagt der Mann mit einer barschen Stimme. Immer noch müde, verwirrt und verweint, steigt sie aus dem Zug und er fährt sofort in die heimliche Zukunft weiter.

Als sie auf der Plattform steht, betrachtet sie die Gesichtslosen, die überall rennen. Das Licht der Sonne segelt schnell über die ganze Stadt. Es wärmt in diesen grauen Zeiten.

Die Feucht in Gilgis Augen wird unkontrollierbar. Auch während so eines schönen Morgens fallen die Tropfen. Tausende Bilder vor ihren Augen. Erinnerungen. Erinnerungen, die im Kopf immer wiedergespielt werden. Hans und Hertha mit ihren Kindern, geboren und ungeboren, Gilgis Familie, die sie wegen Martin und ihrer eigenen Selbstständigkeit verlassen hat, der Pit, den ihr nach Berlin geholfen hat, aber am meisten ihre Geliebten, Martin. Was machst du gerade Martin? Oder schläfst du immer noch? Vermisst du mich wie ich dich vermisse?

Erst nach einer Stunde in Gedanken verloren, ist es ihr aufgefallen, dass ihr Koffer nicht da ist. Er mit dem Zug weitergefahren. In Berlin angekommen, um ihr neues Leben anzufangen. Wie fängt man überhaupt ein Leben an, wenn man nichts hat? Was macht eine zukünftige Mutter in einer fremden Stadt, wenn sie allein auf der Plattform, nur mit den Klamotten, die sie anhat, steht? Wie soll ein Kind in diesen grauen Zeiten zur Welt gebracht werden? Das Wetter zeigen schlimme Aussichten einer zukünftigen Mutter als graue Wolken den Himmel decken und der Wind zunimmt.

Es fängt an zu regen. Er mischt sich mit dem Tropfen, die von den Augen Gilgis entstanden sind und das Gesicht entlang fallen. Vor fünf Minuten war die Plattform voller Menschen, jetzt aber leer. Sie steht allein. Kalt und verweint steckt sie ihre Hände in ihren Taschen, um sie zu wärmen. Was dort liegt weiß sie nicht mehr, aber es könnte ihre Rettung sein. Sie hebt es hoch und liest es. Ein Zettel mit der Adresse von Olga. Die Rettung einer zukünftigen Mutter. Ein kleines Lächeln ist auf ihrem Gesicht zu sehen.

Als sie den Zettel liest, wird es windiger und den Zettel ist mit dem Wind verloren. Ihr Gesicht drückt Hoffnungslosigkeit auf und einem einsamen Tropf aus ihrem Auge kommt vor. Als sie verzweifelt auf dem Boden und mit ihren Händen im Gesicht, sitzt. Eine bekannte Stimme aus der Ferne, die immer näher und näher kommt. Die Sonne bricht durch und wieder scheint Licht und Wärme auf ihr Gesicht. Da Olga, mit dem Zettel in ihrer Hand, vor ihr steht.

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