Das “beliebteste Streitobjekt” beim Deutschlernen

March 23rd, 2018 by besserwisser

Elisabeth Grün Johansson hat einen Bacheloraufsatz (Kandidataufsatz) zum Thema : Die Rolle der expliziten Grammatikvermittlung beim Lernen von Deutsch als Fremdsprache: Eine kontrastive Lehrbuchanalyse von drei Lehrbüchern der Stufe 1 des schwedischen Gymnasiums geschrieben. Über ihre Motivation, sich mit dem Thema zu beschäftigen, und ihre Arbeit mit dem Aufsatz gibt sie hier Auskunft: 

In meiner Rolle als Lehrerin des Faches Deutsch als Fremdsprache werde ich mich viel mit dem Thema Grammatikvermittlung beschäftigen und verschiedene Lehrbüchern benutzen. Deshalb, und weil ich Grammatik interessant finde, habe ich mich mit der Rolle der expliziten Grammatikvermittlung beim Lernen von Deutsch als Fremdsprache beschäftigt.

Die Auffassungen von der Rolle der Grammatik im Fremdsprachenunterricht sind unterschiedlich. Es wird zum Beispiel diskutiert, ob explizite Grammatikvermittlung beim Spracherwerb hilft oder ob Grammatik am besten implizit gelernt wird. Grammatik wird in diesem Zusammenhang als „das beliebteste Streitobjekt“ der Praktiker, Didaktiker und Linguisten bezeichnet. Ferner ist die Rolle der expliziten Grammatikvermittlung in den Lehrplänen des schwedischen Gymnasiums ebenso unterschiedlich: im jetzigen schwedischen Lehrplan (Gy 2011) kommt das Wort Grammatik überhaupt nicht vor, während Grammatik im früheren schwedischen Lehrplan (Lgy 70) ein Hauptmoment war. Da Lehrbüchern in der Regel den Stand der fremdsprachdidaktischen Diskussion spiegeln ist es interessant zu untersuchen, wie Grammatik in den Lehrbüchern vermittelt wird, welche Unterschiede und Ähnlichkeiten es zwischen den Lehrbüchern gibt und ob verschiedene Sprachlernmethoden in verschiedenen Jahrzehnten dominieren.

Der Aufsatz hatte vier Fragestellungen: Wie wird Grammatik in den Lehrbüchern erklärt? Wie wird Grammatik in den Lehrbüchern geübt? Welche Unterschiede und Ähnlichkeiten gibt es zwischen den Lehrbüchern? Dominieren verschiedene Sprachlernmethoden in verschiedenen Jahrzehnten? Die Untersuchung wurde durch eine qualitative Inhaltsanalyse von drei Lehrbüchern – Tyska: texter, ordlistor, grammatik och övningar 1 (1982), Echt!: Deutsch für Anfänger 1 (1995) beziehungsweise Ausblicke 1 (2016) – der Stufe 1 des schwedischen Gymnasiums durchgeführt. Die Untersuchung hat ergeben, dass es sowohl Unterschiede als auch Ähnlichkeiten zwischen den Lehrbüchern gibt, sowohl was die grammatischen Erklärungen und die Grammatikübungen anbelangt, als auch hinsichtlich der Sprachlernmethoden. Im Hinblick auf die verschiedenen Formulierungen der Grammatikarbeit in den Lehrplänen hätte ein Ergebnis, mit größeren Unterschieden zwischen den Lehrbüchern erwartet werden können. Unter Hinweis auf diese Unterschiede hat mich das Ergebnis ein wenig überrascht, und es wäre deshalb interessant, Lehrbücher im allgemein in Bezug auf Sprachlernmethoden zu analysieren. Es wäre auch interessant, eine tiefere Analyse von Grammatik in den Lehrbüchern zu machen.

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