Wer sind die Besserwisser?

October 20th, 2017

Hallo zusammen!

Willkommen bei unserem Blog – egal ob Ihr Kommilitoninnen, Kommilitonen, Lehrer, Eltern, Schüler, Studenten oder einfach nur neugierig seid. Wir freuen uns darüber, dass Ihr Interesse an der deutschen Sprache habt – genau wie wir.

Mit diesem Blog möchten wir darüber berichten, wie es ist, an der Linnéuniversität in Växjö Deutsch zu studieren. Hier werden wir Einträge publizieren, u.a. über Veranstaltungen, den Unterricht an der Universität, was man mit dem Fach Deutsch tatsächlich an der Uni und auch im Berufsleben machen kann. Wir berichten über unsere persönlichen Erfahrungen vom Studium und warum es heutzutage so wichtig und nützlich ist, Deutsch zu lernen.

Doch wer sind eigentlich die Besserwisser?

Wir sind Studierende an der Linnéuniversität mit vielen unterschiedlichen Verbindungen zu der deutschen Sprache und den deutschsprachigen Ländern. Wir studieren unterschiedliche Fächer, Kurse und Programme und stammen aus verschiedenen Ländern. Eins vereint uns jedoch: Ein gemeinsames Interesse an der deutschen Sprache.

Viel Freude beim Lesen wünschen

Die Besserwisser

Gaga oder Dada? Poesiewerkstatt II

April 26th, 2019
  1. Wie schreibt man nun ein dadaistisches Gedicht? Eine witzige Anleitung findet man auf der Seite: Schreiberlebentipps, von Caroline:
  2. Nimm eine Schere.
  3. Nimm eine Zeitung.
  4. Sucht dir einen Artikel von der Länge aus, die du deinem Gedicht zu geben wünscht.
  5. Schneide den Artikel aus.
  6. Schneide sorgfälltig jedes Wort aus und gib es in eine Tüte.
  7.  Schüttel die Tüte.
  8. Nimm einen Schnipsel nach dem anderen heraus.
  9. Schreib die Wörter gewissenhaft in der Reihenfolge ab, in du sie aus der Tüte ziehst.
  10. Fertig ist das dadaistische Gedicht

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Und, wie läuft’s Annabell?

April 19th, 2019

Diese oder ähnliche Fragen bekomme ich, als nun nicht mehr ganz so brandneue, aber irgendwie doch noch neue Praktikantin in letzter Zeit häufig zu hören. Eine berechtigte Frage, denn mittlerweile bin ich schon seit über sechs Wochen hier in Schweden und kann allmählich ein erstes Resümee ziehen. Zum Leben in Schweden und zum Leben als Praktikantin an der lnu. Also – wie läuft’s denn so, Annabell? Meine Antwort: Super! Denn in den letzten eineinhalb Monaten ist so einiges passiert. Von zwei meiner Highlights im Rahmen meines Praktikums möchte ich darum im Folgenden berichten. Read the rest of this entry »

Dada och Gaga? Poesiewerkstatt I

April 5th, 2019

Im Literaturgeschichtsunterricht haben wir uns mit der Epoche des Dadaismus beschäftigt.  Der Dadaismus, auch kurz Dada genannt, war eine künstlerische und literarische Bewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde, genauer gesagt 1916 in Zürich im Café Voltaire. Das Café/Kulturzentrum gibt es noch immer, ein Besuch lohnt sich!  Berühmte Vertreter des Dadaismus sind Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp. Die Dadaisten wandten sich gegen etablierte Kunstformen und parodierten diese. Von den Dadaisten gingen viele Impulse aus, auch für die Kunst der Moderne und ihre Einflüsse sind bis heute zu spüren. Read the rest of this entry »

Berlin, Berlin, du bist so wunderbar

March 22nd, 2019
Quelle: Photo by polaroidville on Unsplash

Jag vill gärna läsa i Berlin med också har tid för att upptäcka staden. Hur lång ärt egentligen en föreläsning?

En föreläsning eller ett seminarium brukar ta 90 minuter. Det kan jag väl tänka mig att du vill upptäcka staden. Det måste man ju göra. För heltidsstudier (och 30 hp är heltidsstudier) brukar man räkna 40 arbetstimmar, precis som för ett vanligt jobb. Våra Berlinstudenter har mellan 1-2 föreläsningar/seminarier varje dag. Resten av tiden ägnas åt självstudier, så det blir också en hel del självstudier. Tanken är att man ska träffa klassen varje dag för att hitta arbetsgrupper och känna gemenskap. Samtidigt får man också tid och flexibilitet att kunna planera sitt lärande. Alla studenter är ju olika – vissa kan läsa snabbt och de klarar av att göra sina uppgifter snabbare, andra behöver mer tid. Det kan också vara olika för varje ämne du kommer att läsa – du kanske tycker om grammatik och då går det fortare, medan du har svårt för litteratur och då behöver du längre tid. Jag kan nog säga så här att alla våra studenter har också haft tid att upptäcka staden, vissa har t.o.m. hunnit jobba några timmar i veckan. Viktigt är nog att du hittar en bra ambitionsnivå – åker du bara till Berlin för att upptäcka staden, kan du göra det billigare på en semesterresa. Vill du verkligen läsa tyska, upplever staden och känner hur det är att bo i Tyskland, så finns det nog ingen bättre chans än vår kurs.

Ich bekomme zu Zeit viele Fragen zu unseren Kursen, die vielleicht auch interessant für dich sind. Hier antworte ich auf Schwedisch:

Vem läser kursen Tyska i Berlin och tyska för Nybörjare i Berlin?

Du kommer att möta svenska klasskamrater från hela Sverige. I skolans miljö kommer du också att träffa många andra studenter från andra länder. Skolans miljö är internationellt. Det finns också bra med caféer och restauranger i närheten där man lätt kan komma i kontakt med andra tyskar. Eller varför inte hitta ett boende i en Wg (Wohngemeinschaft, dvs. ett kollektiv, där alla har var sitt rum, men man delar på köket, kanske också badrum och vardagsrum)? Det är en mycket vanlig boendeform bland studenter.

Hast du andere Fragen? Melde dich bei mir, entweder über den Besserwisser och meine Mail. Herzliche Grüsse und wir sehen uns vielleicht in Berlin? Corina Löwe

Der Sprachbedarf schwedischer Exportunternehmen

March 15th, 2019

Martha Lösches Aufsatz finden Sie hier

In meinem Aufsatz habe ich mich mit dem Sprachbedarf schwedischer Exportunternehmen beschäftigt. Ich habe untersucht, welche Sprachkompetenzen schwedische Unternehmen benötigen, um auf dem internationalen Markt konkurrieren zu können. Da Deutschland der größte Handelspartner Schwedens ist, stand die deutsche Sprache in diesem Aufsatz im Fokus. Der Fremdsprachenunterricht wie auch die Sprachkompetenzen der Exportunternehmen wurden auch im Vergleich zu Dänemark untersucht.

Die Fragestellungen dieser Studie waren: Welche sprachlichen Kompetenzen benötigen schwedische Exportunternehmen und in welchen Situationen werden sie verwendet? Inwiefern unterscheidet sich das dänische Schulsystem in Bezug auf den Fremdsprachenunterricht? Wie unterscheidet sich Schweden von Dänemark, wenn es um die Sprachkompetenzen der Exportunternehmen geht?  

Um die Fragestellungen beantworten zu können, wurden 8 Umfragen und 4 Interviews in südschwedischen Exportunternehmen durchgeführt.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass schwedische Exportunternehmen weit weniger Sprachkompetenzen als ihr dänisches Nachbarland besitzen. Der größte Unterschied zwischen den beiden Ländern lag in der deutschen Sprache. Dänische Exportunternehmen verfügen über weit mehr Deutschkompetenzen, genauer gesagt 80% im Vergleich zu Schweden, wo in nur 25% der Unternehmen solche Kompetenzen vorhanden waren. Aufgrund von fehlenden Sprachkenntnissen verlieren schwedische Unternehmen auch weit mehr Geschäfte. Um mit Deutschland Geschäfte zu machen, brauchen schwedische Unternehmen weiterhin gute Deutschkenntnisse. Das ist ein interessanter Aspekt, da doch so wenig schwedische SchülerInnen die deutsche Sprache lernen.
Dies war auch der Grund, warum ich mich für dieses Thema interessiert habe, da ich untersuchen wollte, wie wichtig die deutsche Sprache für den Handel zwischen den Ländern wirklich ist.
Während des Schreibens habe ich viel gelernt, vor allem über das Thema und wie wichtig die deutsche Sprache ist, aber auch wie ein akademischer Text geschrieben wird und wie man sich am besten seine Zeit einteilt.
Weitere Forschungsfragen, die sich aus meinem Aufsatz ergeben haben sind u.a.:

  • Warum wird die deutsche Sprache nicht von den Schülern bevorzugt?
  • Welche Rolle spielt die schwedische Schulpolitik?




Was macht eigentlich ein Lektor?

March 8th, 2019

Die meisten haben wahrscheinlich eine Vorstellung davon, welche Arbeitsaufgaben einen Studierenden an einer Hochschule erwarten. Aber wie füllt ein Lektor eigentlich seine Arbeitstage?

Gerade sitze ich, Corina Löwe, vor dem Computer, um diesen Blogbeitrag zu schreiben. Zu meinen Aufgaben gehört also, über das Fach Deutsch zu informieren. Ein anderes Beispiel für Öffentlichkeitsarbeit ist das von meiner Kollegin Christina Rosén betreute Sprachcafé im Kino Palladium, bei dem Sprachinteressierte aus Växjö und Umgebung Gleichgesinnte treffen können und sich bei Kaffee und Kuchen über alles Mögliche unterhalten können. Diese Zusammenarbeit mit Schulen, Vertretern der Kommune und der Wirtschaft gehört zu den wichtigen Bausteinen unserer Arbeit. Nächste Woche werde ich in Kalmar vor Gymnasialschülern sprechen und das Fremdspracheninstitut mit seinen vielen Möglichkeiten, Sprachen zu lernen, vorstellen.

Täglich treffen wir in unserem Arbeitsalltag Studierende im Unterricht, zu persönlichen Gesprächen, in der Zusammenarbeit in Projekten oder als Ratgeber, die bei kleinen und großen Problemen zur Seite stehen. Im Fach arbeiten 6 Lehrerinnen und Lehrer, die alle Spezialisten auf bestimmten Fachgebieten sind, z.B. Sprachwissenschaftler, Didaktiker, Politikwissenschaftler und Literaturwissenschaftler. Jeder Lehrer unterrichtet hauptsächlich in seinem Spezialgebiet. Meins ist Literaturwissenschaft und da insbesondere Kinder- und Jugendliteratur.

Neben dem Unterrichten, das mir sehr viel Freude bereitet, ist die Entwicklung neuer und die Verbesserung bestehender Kurse ein wichtiger Aufgabenbereich. Zur Zeit arbeite ich gemeinsam mit meiner Kollegin Judith und unserer Praktikantin Annabell an einem neuen Anfängerkurs, den die Studierenden online absolvieren können. Wir planen auch den zweiten Teil unseres Tyska 2 Kurses als Onlinevariante.

Forschung ist die dritte Säule im Arbeitsplan eines Lektors. Auch hier beschäftige ich mich mit verschiedenen Themen. Im Rahmen eines Erasmusprojektes arbeite ich mit meinem Kollege Alastair Creelman von der Linné-Universität und unseren Partnern aus europäischen Hochschulen an der Frage, wie wir MOOCs (Massive Open Online Courses) für die Integration und Bildung von Geflüchteten einsetzen, sie aber auch, und das ist die zweite Schiene in unserem MOONLITE-Projekt, für den akademischen Unterricht  nutzbar machen können.

In zwei Wochen werde ich auf zwei Konferenzen meine Forschung zur Darstellung des Anthropozäns in Medien für Kinder und Jugendlichen vorstellen. Mein besonderer Fokus wird auf gesunder Ernährung und klimasmartem Essen liegen. Ich habe gelesen, dass man in Deutschland dafür den Ausdruck Klimatarier benutzt. Ich interessiere mich dafür, wie Filme, Bücher, Radioprogramme usw. die junge Generation an das Thema heranführen und das ohne Angst zu schüren.

Auf der zweiten Konferenz, die ich gemeinsam mit meinen Kollegen vom Sprachlehrerverband organisiere, wird mein Thema 30 Jahre Mauerfall sein und wie man dieses Thema in den Sprachunterricht integrieren kann.

Viel zu tun, aber auch ganz schön abwechslungsreich, oder :)?

Rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch?

March 2nd, 2019

Dennis Busch hat einen Kandidataufsatz (eine Bachelorarbeit) über ein sehr aktuelles politisches Thema verfasst: 

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) und die Schwedendemokraten (SD): Ein Vergleich der Entstehungsgeschichte, Programmatik und politischen Praxis rechtspopulistischer Parteien

Ich habe über Politik geschrieben, weil ich mich sehr dafür interessiere. Genauer habe ich entscheiden, über Rechtspopulismus zu schreiben und zwei Parteien ausgewählt, die für mich auch eine persönliche Bedeutung haben, Schwedendemokraten, weil ich Schwede bin und die Schweizerische Volkspartei, weil ich in der Schweiz ein paar Jahren gewohnt habe. Für mich ging es darum, ein grösseres Verständnis über Populismus und Rechtspopulismus und die beiden Parteien zu erlangen. Viele meiner Freunde in Schweden haben nämlich Schwedendemokraten in den Wahlen 2018 gewählt. Um die wachsende Popularität der Partei besser verstehen zu können, habe ich mir mein Thema schon im Sommer 2018 überlegt.

Ein sehr guter Vorschlag für Personen, die ihren Aufsatz schreiben wollen, ist, schon bevor das Semester beginnt, eine Idee zu haben, eine Vorstellung davon, worüber sie schreiben wollen.

Meine Fragestellung war hauptsächlich, wie sehr die beiden Parteien sich nach rechts auf der politischen Skala abgrenzen, das heisst, wie sie sich vom Rechtsextremismus fern halten oder ob sie Beziehungen zu rechtsextremistischen Kreisen haben oder hatten.

Was für mich auch wichtig war, ist die heutige Programmatik die beiden Parteien zu untersuchen. Dafür habe ich drei spezifische Politikbereiche ausgesucht, die am besten zum gewählten Thema passen und die von den Parteien häufig in der Öffentlichkeit angesprochen werden: Migrationspolitik, Kulturpolitik und Kriminalpolitik. Der größte Unterschied ist, dass die Schwedendemokraten eine viel jüngere Partei als die schweizerische Volkspartei sind. Ein anderer großer Unterschied ist, dass die Schwedendemokraten aus rechtsextremen Vereinigungen hervorgingen und die Vorläufer der schweizerische Volkspartei zwei Parteien aus dem Spektrum der politischen Mitte.

In dem Aufsatz werden auch die zwei wichtigsten Personen der jeweiligen Parteien charakterisiert, Jimmie Åkesson von der Schwedendemokraten und Christoph Blocher von der schweizerischen Volkspartei.

Zum Schluss muss ich sagen, dass das gewählte Aufsatzthema sehr interessant war, es ist einem sehr aktuelles Thema, denn das Phänomen rechtspopulistischer Parteien gibt es auch in vielen anderen Länder, das bedeutet, dass es nicht nur für Schweden und die Schweiz ein aktuelles Thema ist.

Was ist eigentlich das Unwort des Jahres 2018?

February 22nd, 2019

Im Gegensatz zum Wort des Jahres, welches von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählt wird, trifft sich eine Jury bestehend aus Sprachwissenschaftlern einmal im Jahr, um das Unwort des Jahres zu küren. Das Gute ist, jeder kann mitmachen – denn bis Ende Dezember haben alle Bürger die Möglichkeit, Unwort-Vorschläge einzureichen. Allerdings erfüllt nicht jedes beliebige Wort die Kriterien, um als Unwort bezeichnet werden zu können. Denn Unwörter sind sprachliche Ausdrücke, die „von Sprechern entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden, und dies im öffentlichen Kontext[1]“. Bei der Auswahl zum Unwort des Jahres liegt der Fokus also auf Wörtern, die „gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen[2]“.

Mit dem Projekt soll auf kritische Äußerungen in der Gesellschaft aufmerksam gemacht werden, vor allem, wenn diese im öffentlichen Raum geschehen. Ebenso kann auch das sprachliche Handeln im Allgemeinen hinterfragt werden – denn viel zu oft werden in unserer immer globaler und digitaler werdenden Welt Sachen gesagt (oder geschrieben), über die vorher zu wenig nachgedacht wurde. Das Projekt soll also zu mehr Spachbewusstheit anregen und einen sensibleren Umgang mit Sprache bewirken.

So viel zum Hintergrund – aber was ist denn nun das Unwort des Jahres 2018?

Beim letzten Auswahlprozess für das Unwort des Jahrs 2018 landete „Anti-Abschiebe-Industrie“ auf Platz 1. Eine Wortzusammensetzung, die der CSU-Politiker Alexander Dobrindt verwendete und damit heiße Debatten auslöste. Er kritisierte damit unter anderem Flüchtlingshelfer, die Abschiebungen von Geflüchteten zu verhindern versuchten. Mit diesem Unwort, so Jurorin Nina Janich, Professorin an der TH Darmstadt, werde „denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen und Abschiebungen auf dem Rechtsweg prüfen, die Absicht [unterstellt], auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit in großem Maßstab Geld verdienen zu wollen“. Ebenso kritisch wird die Verwendung des Nomens „Industrie“ angeführt – denn dies beinhalte schlichtweg schon den Aspekt der Produktion und Massenabfertigung, mit welchem Geflüchtete häufig behandelt werden.

Frühere Unwörter:

2017: Alternative Fakten

2016: Volksverräter

2015: Gutmensch

2014: Lügenpresse

2013: Sozialtourismus

2012: Opfer-Abo

2011: Döner-Morde

2010: Alternativlos

[1] http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=1

[2] http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=102

,,War Georg Bendemanns Vater dement?“ oder ,,Wie es ist, eine Bachelorarbeit zu schreiben“

February 15th, 2019

Im C-Kurs werdet ihr einen Aufsatz schreiben, der ungefähr 25 Seiten lang sein soll. Das Gute daran ist, dass ihr das schon lange vorher wisst und ihr deshalb viel Zeit habt, euch ein Thema zu überlegen. Die Idee zu meinem Aufsatz bekam ich, als wir im B-Kurs Franz Kafkas Das Urteil lasen. Schon beim ersten Lesen dieser Erzählung fiel mir auf, dass das Verhalten der Vaterfigur stark an einen Demenzkranken erinnerte, und ich hatte Lust, das genauer zu untersuchen. Ich recherchierte zunächst, welche Literatur es zu diesem Thema gab, ob meine Fragestellung neu war und welche Symptome ein Demenzkranker überhaupt aufweist. Dann bestellte ich einige Bücher, die mir als zitierfähige Quellen geeignet erschienen. Ja, und dann lagen viele Wochen vor mir, in denen ich mich ganz dem Schreiben widmen konnte. Ich muss gestehen, dass ich mich auf diesen Teil des Semesters besonders gefreut hatte, da ich für mein Leben gern lese und die Ruhe des Schreibens genieße.

In meiner Untersuchung zeigte sich, dass es tatsächlich viele Übereinstimmungen gab, wenn man das Verhalten der Vaterfigur mit den in medizinischen Fachkreisen anerkannten Symptomen für eine Demenz verglich. Ich stellte aber auch fest, dass sich sein Benehmen ganz anders interpretieren lässt. Das ist bei Literatur natürlich immer so. Aber jeder, der Das Urteil einmal gelesen hat, wird sicher zustimmen, dass die Erzählung schwierig zu verstehen ist und dass die Reaktionen der Protagonisten teilweise kaum nachvollziehbar sind. Da bleibt besonders viel Raum für Deutungen. Mit meiner Analyse konnte ich jedoch demonstrieren, dass der Konflikt zwischen Vater und Sohn stärker akzentuiert wird, wenn man den Vater als unheilbar krank ansieht. Denn obwohl er nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein scheint, nimmt der Sohn das Todesurteil des Vaters trotzdem an und zeigt so, dass dieser trotz Krankheit und Schwäche in der Position des Stärkeren bleibt.

Die Bachelorarbeit geschrieben zu haben, ist ein gutes Gefühl. Ich kenne mich jetzt ganz gut aus mit Zitierweisen, Fußnoten, Word-Formatierungen, bin effizienter geworden, wenn es darum geht, an Informationen heranzukommen. Ein bisschen vermisse ich sogar den festen Tagesrhythmus: das allmorgendliche Sitzen am Schreibtisch, den Duft des dampfenden Kaffees in der Nase, das Klappern der Computertastatur im Ohr, und ab zu eine Erinnerung durch den Hund, dass es noch eine Welt da draußen gibt. Für einige Wochen meines Lebens bin ich in das Universum des Schriftstellers Franz Kafka eingetaucht, habe seine einzigartige Sprache auf mich wirken lassen und erfahren, welche Reaktionen sein Werk in der literarischen Fachwelt ausgelöst hat. Es hat mich erstaunt, mit welchem Facettenreichtum die Arbeiten dieses viel zu früh verstorbenen Künstlers aufwarten, und wie er bis heute zu uns spricht.

Hier noch der Link zu Kirstis Aufsatz

 

 

 

Mein Start ins Praktikantenleben: Hej Linnéuniversitetet!

February 7th, 2019

Unsere neue Praktikantin Annabell Weber hat das Wort:

Svenska. Ein Wort, und doch so vieles, was für mich dahintersteckt: Denn alles begann mit einem Sprachkurs an meiner Universität in Deutschland. „Schwedisch lernen, warum eigentlich nicht?“ So oder so ähnlich waren wohl meine Gedanken. Recht ahnungslos ging ich schließlich zu meiner ersten lektion und merkte schnell, wie viel Spaß mir das Erlernen der schwedischen Sprache macht. Immerhin ist Schwedisch als nordgermanische Sprache dem Deutschen nicht ganz so fern, man stolpert also recht häufig über Wörter, die sehr ähnlich sind. Lediglich an die Besonderheiten der Aussprache müssen sich die deutschen Ohren zunächst gewöhnen. Im Kurs wurden viele wichtige Aspekte thematisiert und mein Interesse an Schweden und der schwedischen Sprache wuchs stetig. Regelmäßige fika-Veranstaltungen waren sicherlich nicht ganz unschuldig daran…

Bald schon plante ich meinen ersten, kleinen Schwedenurlaub. Ein paar Tage in Stockholm sind es schließlich geworden. Der Kontakt zu „richtig echten“ Schweden hat sehr viel Spaß gemacht und schnell habe ich gemerkt, wie viel Freude mir das Anwenden und Üben meiner neuen Lieblingssprache bereitet. Darum stand irgendwann fest: Ich muss wieder nach Schweden. Da auch das Ende meines Studiums in Deutschland in Sicht war, kam die Idee eines Praktikums in Schweden wie gerufen. Gesagt, getan – bald schon wurden erste Planungen angestellt.Denn die Kombination aus einem Auslandsaufenthalt und einer praktischen Tätigkeit, die an mein Studium anschließt, klingt doch eigentlich ziemlich perfekt, oder nicht?!

Nach langen Monaten des Wartens war es dann Ende Januar endlich soweit: Die meisten Vorbereitungen waren abgeschlossen und der Tag meiner Abreise rückte immer näher. Fast schon unwirklich das Gefühl, als ich dann tatsächlich wieder schwedischen Boden unter den Füßen hatte. Mit meiner Ankunft in Schweden kam ich nun endlich zwei langersehnten Träumen ein Stück näher: Mein Schwedisch im Zielland zu verbessern und ein interessantes Praktikum an der Linné-Universität zu absolvieren.

Meine ersten Praktikumstage gestalteten sich als sehr spannend: Herzlich wurde ich von allen neuen Kollegen empfangen und ins Team aufgenommen – ein schönes Gefühl. Ausgestattet mit Schlüssel, passerkort, Laptop und einem eigenen Arbeitsplatz wurde ich dann auf die Studenten „losgelassen“. Das Institut wirkt familiär und auch die Kurse sind überschaubar – gute Rahmenbedingungen also, um in einem produktiven Klima zu lehren und zu lernen. Denn gerade das ist es, was mir – und so geht es sicher sehr vielen Studienabsolventen – nach einem theoretischen Studium fehlt: die Praxis. Und die soll ich hier bekommen!

Auf meinem Arbeitsplan finden sich also eigene Unterrichtsstunden, Hospitationen bei anderen Lehrern sowie Projekte, die unter anderem die Planung zukünftiger Kurse beinhalten. Langweilig wird mir hier bestimmt nicht, so viel steht schon mal fest! Alles Weitere wird sich zeigen – ich freue mich darauf!

Foto: Photo by Jonathan Brinkhorst on Unsplash