Werden einmal Maschinen Übersetzer ersetzen? Interview mit Jenny Ström Herold, Lektorin für Deutsch

March 2nd, 2018 by besserwisser

Ein Interview mit Jenny Ström Herold (15.02.2018) über ihren Berufsweg, ihre Arbeitsgebiete an der Universität, ihre Forschung und Hobbies. Das Interview führte Kirsti Ferch, Studentin 1TY200

Was wolltest du werden, als du klein warst?

Ich hatte nie einen direkten Beruf im Sinn, als ich klein war. Aber ich war immer in der Bibliothek, habe gern gelesen und geschrieben und war vor allem sehr neugierig auf andere Sprachen.

Sprechen deine Eltern Fremdsprachen? Haben sie dich beeinflusst?

Nein. Aber wir waren oft in Deutschland, manchmal auch in Österreich und der Schweiz. Ich war immer neugierig, Sprachen haben mich fasziniert. Ich habe die Schilder und Zeitschriften gelesen und wollte wissen, was das bedeuten könnte. Und das Deutsche liegt ja dem Schwedischen sehr nahe. Manchmal gab es deutsche Filme im Fernsehen und ich konnte dann zuhören und mit dem Untertext vergleichen. Viel verstehen konnte ich ja noch nicht, denn  Deutsch hatten wir erst ab der 7. Klasse. Aber interessiert man sich dafür, kann man schon ein bisschen herausbekommen.

Welche Hobbys hast du?

Ich mag Musik und gehe gern Spazieren. Dann kann ich abschalten. Früher bin ich Fussballerin gewesen, aber dann kam das Studium und ich hatte nicht mehr soviel Zeit.

Welche Sprachen hast du in der Schule gelernt?

Mit Englisch fängt man ja früh in der Schule an. Ich glaube, in der 4. Klasse. In der 7. Klasse konnte man zwischen Deutsch und Französisch wählen. Für mich war klar, dass ich Deutsch wähle, weil ich durch die Reisen viel Zeit in Deutschland verbracht hatte. Auf dem Gymnasium habe ich noch drei Jahre Französisch gehabt.

Die Sprachen sind mir leicht gefallen, das waren meine besten Fächer. Und Mathe. Man sagt ja manchmal, dass man entweder in Naturwissenschaften und Mathe oder in Sprachen gut ist. Ich glaube, das stimmt gar nicht. Sprache ist ja ein System und du sollst herauskriegen, wie es funktioniert. Mathe hat auch diese Logik. 

Welche Ausbildung hast du nach der Schule durchlaufen?

Ich habe nach dem Abitur angefangen, Germanistik in Lund zu studieren. Dann ging es weiter mit Schwedisch, allgemeiner Linguistik und Dänisch. Ein Auslandsjahr habe ich in Göttingen verbracht und dort Germanistik studiert. Das war wirklich gut. Es gab sehr interessante Spezialkurse. Und man konnte viele Leute treffen, Deutsch sprechen, was erleben.

Welche Kurse gibst du an unserer Universität?

Ich gebe sprachwissenschaftliche Kurse im Fach Englisch und Deutsch (Grammatik, Sprachgeschichte, Deutsch für das Arbeitsleben) und Kurse im Rahmen des Fachübersetzerprogrammes. Dort bin ich auch Vize-Programmkoordinator und betreue vor allem Magister- und Masterarbeiten.

Womit beschäftigst du dich in deiner Forschung?

Strukturen und Logik, der Vergleich der Sprachen, das ist das, was mich interessiert. Ich habe immer kontrastiv mit Englisch, Schwedisch und Deutsch gearbeitet und beschäftige mich mit korpusbasierter Übersetzungsforschung zusammen mit meinem Kollegen Magnus Levin. Das Korpusprojekt nennt sich LEGS (Linnaeus University English-German-Swedish Corpus, siehe auch Homepage der Universität). Wir arbeiten mit diesen drei Sprachen und interessieren uns vor allem für grammatikalische Phänomene und Fragestellungen. Wir haben beispielsweise adverbiale Partizipialsätze untersucht und wie sie aus dem Englischen ins Deutsche und Schwedische übersetzt werden. Es geht dabei immer um Fachprosa, da wir uns für allgemeine Fachsprache interessieren. Die Ergebnisse kommen unseren Studierenden zugute.

Hast du einen bestimmten Buchgeschmack?

Man liest ja viel im Beruf und ich trenne das nicht so sehr vom Privaten. Es ist ja das, was mich interessiert und Freude macht. Ich lese vor allem populärwissenschaftliche Texte, mit denen wir im Korpusprojekt auch arbeiten. Das sind zum Beispiel Ratgeber oder Biografien. Ich mag gern Geschichtliches lesen. Ich korrigiere auch viel, zum Beispiel Übersetzungen. Dann ist das Lesen am Abend manchmal zu viel und man macht lieber etwas anderes.

Wozu verwendet man Korpora?

Es gibt einsprachige und mehrsprachige Korpora. Für Textkorpora finden sich viele Verwendungen. Man kann sie benutzen, um herauszufinden, wie Wörter kombiniert werden (Kollokationen) oder ob eine bestimmte Konstruktion häufig ist. In Korpora findet man eine große Anzahl von authentischen Texten in verschiedenen Genres. Kein Wörterbuch kann derartige Informationen liefern. Mit Hilfe von Übersetzungskorpora kann der Übersetzer herausfinden, wie ein Term normalerweise übersetzt wird, welche Strategien und Möglichkeiten es gibt. Für den Forscher bietet es die Möglichkeit,  authentische Beispiele zu untersuchen.

Welchen Stellenwert haben digitale Hilfsmittel in der Arbeit des Übersetzers?

Einen ziemlich großen Stellenwert. Heute arbeitet man viel mit CAT-tools (computer aided translation tool) und Übersetzungsspeichern (Translation Memory), die die Arbeit des Übersetzers deutlich effektiviert haben. Der Einsatz ist zum Beispiel sinnvoll bei Fachtexten, die in der Regel repetitiv sind. So wird die Übersetzung einheitlicher.

Glaubst du, dass Maschinen einmal die Arbeit des Übersetzers übernehmen könnten?

Nein, ich glaube nicht. Manche Übersetzungen werden für eine Maschine immer problematisch sein, zum Beispiel Metaphern, Idiome, kulturelle Ausdrücke. Dann muss ein Text ergänzt werden,  um die Kultur verständlich zu vermitteln.

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