Wie geht die Geschichte weiter?

March 16th, 2018 by besserwisser
Eine Aufgabe im Literaturunterricht besteht darin, Irmgard Keuns Roman Gilgi-eine von uns (1931) auf ca. 1 Seite weiter zu schreiben. Die Studierenden sollen dabei versuchen, die im Roman verwendete Sprache zu benutzen. Sie müssen sich auch in die Zeit hineindenken und natürlich sollen sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen.
Arild Johannes Petrovic hat sich folgende Gedanken gemacht: “Ich habe sie so geschrieben weil Gilgi sehr unglücklich gewesen ist, und so etwas verschwindet nicht so leicht. Ich denke, sie hat eine ziemlich fixe Idee, und kann nicht ganz klar denken”.

Das muss ein Stück vom Himmel sein. Neuanfang, ist das nicht was Wunderbares? Die neue Stadt liegt bunt vor Gilgi, als sie die Straßen entlanggeht. Die Leute laufen sogar schneller, bewegen sich leicht, zielbewusster – oder ist das nur die Freude am Neuen? Eine lange Schlange vor einem Kino. Das ist die Liebe der Matrosen. Gilgi muss doch erstmal Arbeit finden, sie hat kein Geld fürs Kino. Die kleine Erika-Schreibmaschine wird ihr immer schwerer, als sie von einem Büro zum nächsten eilt, aber trotzdem geht sie mit sicheren Schritten weiter, auf die Dauer, lieber Schatz. Jemand wird wohl eine Stenotypistin brauchen.

Als sie an einem Büro vorbei läuft, sieht sie eine junge Sekretärin herausrennen mit Tränen im Gesicht. Eine bösartige Stimme ist aus einem Fenster des Büros zu hören. Aus dem selben Fenster fliegt eine Schreibmaschine heraus, fällt mit einem lauten rasselnden Geräusch auf den Boden. Jemand schreit, und die meisten legen ihre Arme hoch, um ihre Köpfe zu schützen. Erstaunt gehen sie murmelnd weiter. Gilgi zögert ein bisschen vor der Tür, tritt dann doch wieder sicheren Schrittes hinein, und geht zur Rezeption. Sie sagt zu der Rezeptionssekretärin, sie suche eine Stelle als Stenotypistin oder Sekretärin, und hebt ihre Schreibmaschine, um vorbereitet zu wirken. Sie erzählt selbstbewusst von ihren letzten Anstellungen bei Herrn Reuter und dem alten Offizier, aber wird gleich unterbrochen.  „Wir haben keine Stelle für sie“. Gilgi will es sagen, aber findet nicht die Worte. Es gibt doch eine Stelle, das hat sie ja gerade draußen gesehen. Armes Mädel.

„Tja, wenn Sie nicht…“

„Doch, möchte ich gern.“, sagt Gilgi ein wenig zu schnell.

Die Sekretärin spricht ganz leise, ein bisschen ängstlich sogar. „Aber der Herr Betriebsleiter ist sehr wählerisch, wenn es um seine Sekretärinnen geht. Du wirst nicht passen“. Gilgi spürt Mitleid in ihrem Gesicht, aber sie hat sich schon entschieden. Sie muss arbeiten. „Ich nehme die Stelle an.“ Jawohl, Herr Kapitän. Jawohl, Herr Kapitän.

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