Ylvas Rede auf dem Jubiläumsfest für das Sprache, Kultur, Kommunikations-Programm (SKK)

November 16th, 2018 by besserwisser

Hallo!

Ich heiße also Ylva und studiere im SKK-Programm Deutsch. Momentan bin ich im 5. Semester und damit schon fast am Ende meiner Ausbildung. Ich schreibe gerade meinen C-Aufsatz und bereite mich auf das Praktikum im Frühjahr vor – beides Dinge, die ziemlich furchteinflößend und spannend zugleich sind.

Ich dachte mir, dass ich ein bisschen auf mein SKK-Abenteuer zurückschaue und euch erzähle, warum ich heute immer noch mit meiner Wahl zufrieden bin.

Beginnen wir mit dem angenehmen Teil und Grund Nummer 1, mich für SKK zu bewerben: Deutsch.

Zwei Semester Grammatik pauken, Übersetzen, schöngeistige deutsche Klassiker lesen (einige besser, andere schlechter), Kurse zu EU- und Landeskunde sowie Literatur- und Sprachgeschichte.

Obwohl man viel lernen musste, habe ich nicht nur studiert, auch wenn es sich manchmal so angefühlt hat…Und ich war nicht nur auf dem Campus unterwegs, obwohl man dort leicht hängen bleibt, sondern ich hatte die Möglichkeit, mich umzusehen und Erfahrungen zu sammeln.

Im Begrüßungsseminar des ersten Semesters wurde ziemlich viel über Reisen gesprochen, besonders über eine Reise nach Polen und eine nach Deutschland. Ich bin eine leicht zu verwirrende Person, die bei dieser Einführung ziemlich durcheinander kam, und ich war mir sicher, die ganze Sache falsch verstanden zu haben. Das konnte doch nicht sein, dass wir im zweiten Semester sowohl nach Deutschland als auch nach Polen reisen würden?! Und Polen war ja wohl am wenigsten wahrscheinlich, da wir schließlich SKK-Deutsch studierten. Doch schwuppdiwupp sitze ich im Begrüßungsseminar des zweiten Semesters, und es sollen zwei Reisen stattfinden: nach Polen und Deutschland.

Polen stand ganz oben auf der Liste. Natürlich sollten wir nicht einfach so dorthin fahren, sondern an einem Erasmusprojekt zusammen mit fünf anderen Ländern teilnehmen, wofür wir eine zweieinhalbstündige Präsentation über Jugendarbeitslosigkeit in Schweden vorbereiteten.

Die erste Woche in Polen verbrachten wir damit, einander die Präsentationen vorzustellen. Es fühlte sich ziemlich professionell an, wie wir da alle saßen: 40 bis 50 Personen in einem Raum mit Mikrophonen auf den Tischen, so dass wir uns gut verständigen konnten, falls Kommentare oder Fragen auftauchten. Sechs Präsentationen, jede 2,5 Stunden lang…da braucht man eine Menge Kaffee und Süßigkeiten, um durchzuhalten, das könnt ihr mir glauben. Und ich trinke nicht einmal Kaffee.

Als wir mit den Präsentationen fertig waren, wurden alle Teilnehmer in neue Gruppen eingeteilt, die Länder wurden gemischt, und wir begannen, die nächste Präsentation vorzubereiten. Alle Gruppen bekamen unterschiedliche Aufgaben, die mit Jugendarbeitslosigkeit und/oder Beschäftigung zu tun hatten, und die kommende Woche war dazu gedacht, eine Mini-Präsentation über das Thema vorzubereiten. Meine Gruppe erstellte zum Beispiel eine Internetseite, auf der wir Tipps und Tricks gaben, wie man mithilfe unterschiedlicher Methoden seine Zeit einteilt, wenn man gleichzeitig arbeitet und studiert.

Präsentationen und Gruppenarbeit wurden durch andere Aktivitäten aufgelockert, zum Beispiel Stadtrundfahrten, Besuche in Brauereien und Bäckereien. Gleichzeitig bekamen wir die Möglichkeit, solche Unternehmen und Organisationen zu besuchen, die sich mit Jugendarbeitslosigkeit und ähnlichen Themen beschäftigen. Das Allerbeste, was wir auf dieser Reise gemacht haben – außer dem Tag, an dem wir tatsächlich mal ausschlafen durften – war der Besuch in der Oper, einer richtigen Oper, für die wir uns etwas in Schale werfen mussten. Eigentlich eine polnische Oper, aber es gab einen deutschen Text, falls das nun eine Hilfe war…

Dann fuhren wir zurück nach Schweden, studierten weiter und nachdem wir (SKK-Deutsch = zwei Pers.) alle Prüfungen geschrieben hatten, setzten wir uns mit den IAL-Deutschen und den Deutschlehrern, die zusammen mit uns studiert hatten,  in zwei Minibusse und machten eine Spritztour runter nach Deutschland.

Es wurde eine Luxusstudienreise mit drei Hauptstopps: Berlin, Bonn, Freiburg. Luxusreise deshalb, weil wir mit einem Thema im Gepäck hinunterfuhren, so wie es auch bei anderen Studienreisen üblich ist, und dann das Ganze mit angenehmen Dingen mischten. Das Thema war “Integration im Schulalltag”. Das bedeutete, dass wir einige Schulen besuchten, in denen wir sehen und hören konnten, wie man mit der Integration der Schüler arbeitet. Außerdem besuchten wir Unternehmen, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit Integration befassen. Während unseres Aufenthaltes in Berlin durften wir auch an einer Diskussion im Parlamentsgebäude teilnehmen, zu der politische Parteien eingeladen waren, um über Integration und andere vorgeschlagene Themen zu debattieren.

Besondere Aktivitäten in Berlin waren unter anderem ein Rundgang im Reichstagsgebäude und eine private Führung durch das Stasigefängnis in Hohenschönhausen. Kalle, der Mann, der uns alles zeigte, war dort selbst für mehrere Jahre eingesperrt gewesen. Wir schafften es in Berlin sogar in die Oper und ins Kabarett.

Was ich an dieser Reise sehr gut fand, war, dass die Studenten in die Planung mit einbezogen wurden. Klar, wir hatten drei Hauptstationen, aber wir schafften es trotzdem, an anderen Stellen Halt zu machen. Ich habe zum Beispiel ein persönliches Verhältnis zu Köln, weil ich dort studiert habe. So kam es, dass wir auf dem Weg nach Bonn eine Pause in Köln zum Eisessen machten. Bei 30 Grad Hitze darf man das.

In Bonn besuchten wir eine Schule und nahmen am Unterricht teil, waren an der Universität, an der es eine skandinavische Abteilung gibt, und ein paar Studenten nahmen uns mit auf eine Tour durch die Stadt. Wir machten auch einen Abstecher nach Düsseldorf, wo wir unter anderem die dortige Einwanderungsbehörde und die Agentur für Arbeit besuchten. Dann näherten wir uns Freiburg. Der Weg dorthin war sicher der schönste, denn wir setzten uns für ein paar Stunden in ein Boot und sahen auf die Schlösser am Rhein. Als wir schließlich wieder an Land gingen, hatten einige ziemlich Farbe bekommen. Wir fuhren wieder ein paar Stunden und machten noch einen kurzen Zwischenstopp in Heidelberg, zu dem ein anderer Mitreisender einen Bezug hatte. Als wir in Freiburg ankamen, dem meiner Meinung nach schönsten aber auch wärmsten Aufenthalt, besuchten wir die Universität und machten einen Stadtrundgang. Auch hier garnierten wir das Programm mit einem Theaterbesuch und massenhaft Eis. Am stilvollsten war aber die Weinverkostung mit Wanderung über den Weinberg und anschließendem Festessen, mit Wein natürlich. Dort plauderten wir über die schöne Aussicht. Dann verließen wir Freiburg und fuhren zurück nach Schweden, die Köpfe voller neuer Eindrücke und die Taschen voll mit Wein. SO beendet man ein Semester!

Es ist eine so gute Erfahrung, das Land zu besuchen, dessen Sprache man studiert, nicht nur, um die Sprache zu üben, sondern auch, um sich ein Bild über die Kultur machen zu können. Sonst wird man nie das Arbeitsmilieu in einem deutschen Unternehmen erleben, und auch nicht, wie deutsche Politiker für ihre Sache argumentieren oder wie ein deutsches Bier schmeckt, das dir in einem deutschen Biergarten an einem deutschen Vorsommerabend serviert wird.  Deutschland zu erleben, während man Deutsch studiert, ist das Beste, was einem passieren kann, um eine Art Gesamtbild für das zu bekommen, was man macht.
Und für diese Erfahrungen kann man ja niemand anderem danken als den Leuten vom  SKK-Programm.

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